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Du bist aber fett – Magerwahn und Selbstzweifel

Du bist zu klein. Du bist zu dick. Iss mal weniger. Achte mal mehr auf dich. 1,61 m und aktuelle 53,3 kg. Laut Modewelt eindeutig du fett. Es gibt Tage, an denen ich mich wohlfühle und gern in den Spiegel schaue. Dann aber gibt es Tage, an denen ich am liebsten alle Fotos löschen und den Computer runterfahren würde. Zugegeben, habe ich lange überlegt, ob ich als Bloggerin überhaupt das Thema Magerwahn ansprechen sollte. Als ich mit dem Blog angefangen habe, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass die Branche mich eines Tages so sehr beeinflussen könnte. Mit der Zeit veränderte sich auch meine Wahrnehmung. Je dünner, umso schöner. Es ist kein Geheimnis, dass dünnere Frauen in der Modebranche bessere Karten haben. Blogger, die plötzlich als Models arbeiten und auf Modenschauen für High End Marken laufen – Seien wir ehrlich mit einer „36“ oder gar „38“ hätte kein Model, geschweige denn eine Bloggerin eine Chance für Dolce&Gabbana zu laufen. Die Modewelt ist noch lange nicht so weit und wird es vielleicht auch niemals  sein.

Magerwahn: Dünn um jeden Preis

Auch ich habe mich mitreißen lassen. Inzwischen bin ich wieder im Normalbereich angekommen und esse worauf ich Lust habe. Doch es gab Zeiten, da habe ich mich nur mit Kalorien und Sport befasst. Ich fing mit 54,5 kg und endete mit 45,0 kg. Zu der Zeit ging es mir ziemlich schlecht. Auf Social Media habe ich dieses Thema nie angesprochen. Doch meine Freunde wussten, dass mit mir etwas nicht stimmte. Ich war dem Magerwahn verfallen. Die Grenze lag bei 500 Kalorien am Tag. Falls ich mal mehr Kalorien zu mir nahm, ging es entweder nochmal ins Fitnessstudio oder ich fastete die darauffolgenden Tage. Ich war stolz und fühlte mich großartig. Trotzdem machte es mich nicht glücklicher. Im Gegenteil: Ich war ständig müde und hatte Mangelerscheinungen. Zudem war ich ständig gereizt und habe mich zurückgezogen. Insbesondere mein Sohn und auch die Uni haben sehr darunter leiden müssen.

South beach, sugar free
Vogue says
Thinner is better

Der Magerwahn ging irgendwann so weit, dass ich angefangen habe, im Netz nach Pro-Ana und Mia Gruppen zu suchen und mitzumachen. Meistens handelt es sich dabei um diverse WhatsApp oder Telegram Gruppen von 10 Frauen oder auch Männer, die sich gegenseitig pushen und Erfahrungen austauschen. Täglich mussten wir Essen und Sport dokumentieren, sowie zweimal wöchentlich ein Waagebild als Beweis in die Gruppe posten. In den Gruppen habe ich viel über die Menschen erfahren können. Nicht nur über ihr Alter oder ihren Beruf. Nein, sondern die wirklich wahren und auch traurigen Geschichten hinter ihrer Krankheit. Die Regeln waren sehr streng. Fressattacken waren strengstens untersagt. Als Strafe musste man entweder eine Stunde Sport machen oder sofort das Klo aufsuchen. Geschah dies mehrfach wurde man auch der Gruppe ausgeschlossen. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich mich aus den Gruppen löschte. Ich hatte Hunger – welch eine Überraschung. „Lutsch Eiswürfel! Trink einen halben Liter Wasser oder dreh dich bis dir schlecht wird!“ In einer anderen Gruppe wurde gerade über Zwangstherapie diskutiert. Beim Begriff „ATTE“ wurde mir plötzlich ganz schlecht. „ATTE“ auch Ana till the end genannt, definiert nichts anderes als das Hungern bis zum Tod. Während die restlichen Gruppenteilnehmer das Mädchen für ihr Vorhaben feierten, dachte ich ich mir nur „What the fuck? Wo bin ich eigentlich gelandet? Hungern bis zum Tod? Nein, ich will leben!“ Daraufhin löschte ich alle Gruppen und Nummern von meinem Handy. Ich wollte mich nicht mehr selbst quälen oder bestrafen. Die Welt ist verrückt und die Gesellschaft drängt uns ein unmenschliches Schönheitsideal auf.

Auch heute ertappe ich mich noch manchmal wie ich unterbewusst gewisse Lebensmittel vermeide. Es ist sehr schwer sich dagegen zu wehren und nicht wieder dem Wahn zu verfallen. An manchen Tage fällt es mir leichter und anderen Tagen wieder etwas schwerer. Trotzdem ist es gar nicht so einfach einen guten und gesunden Mittelweg zu finden. Die Modewelt wird wohl auch noch ein Welchen brauchen oder vielleicht werden wir auch niemals diesen Magerwahn los. Demnach bleibt nur abzuwarten, wie sich unser Schönheitsideal weiterentwickelt.

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writer

<p>thefashionanarchy is a personal style and fashion blog created by Munich based blogger Dianna Buenger. She published her first blog in May of 2014. After two years she has decided to relaunch her personal blog as „the fashion anarchy“.</p> <p>You may be asking what is this about?</p> <p>Thefashionanarchy is making a statement about a bold new era in fashion. The only rule is there are no rules and it’s all about what brings out the best in the individual. Allowing a mixture of high-end, low-end, classic labels and up and coming styles all together.</p>

15 Comments

Sabrina

Ganz toller Post und Respekt für deine Offenheit! Je mehr man solche Dinge teilt, desto mehr Betroffene wissen, dass sie nicht alleine sind. Dass sie das hinter sich lassen können. Dass es auch ein glücklich jenseits von Extremen gibt. Du bist hübsch und perfekt so wie du bist. Mit all deinen vermeintlichen Fehlern und Makeln. Denn ohne die wärst du nicht du. Einen wunderschönen Sonntag!

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Anne

Danke für diesen ehrlich Post von dir! Es liegt ein ganz anderer Druck auf den jüngen Mädchen und Frauen als vor über 10 Jahren. Alles muss schöner, besser, dünner und erfolgreicher sein. Alles muss mehr sein als zuvor. Ich glaube viele „beugen“ sich diesem Druck, lassen sich mitziehen oder rutschen da ganz unbewusst rein. Die MODE Welt braucht noch eine Weile – da hast du Recht, aber D&G schickte z. B. für ihre aktuelle H/W Kollektion 2017 Models und aber hauptsächlich normale Frauen (ohne Modelmaße) auf den Laufsteg. Einige andere Labels haben das auch hier und da schon getan und ich denke das genau das ein kleiner Anfang sein könnte gegen den Magerwahn.
Liebe Grüße
Anne
http://www.annesfashionlove.blogspot.com

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Eva

Maus, ich weiß noch, wie ich mir damals so Sorgen um dich gemacht habe, als das angefangen hat, ich bin froh, dass du nun offen mit dem Thema umgehen kannst und, dass du jetzt einen Weg für dich gefunden hast! Du bist wunderbar so wie du bist, fühl dich gedrückt, ich komme bald mal nach Muc und wir machen ein Coffee-Date aus, oki? <3
Lots of love
Eva

http://www.eva-jasmin.de

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THE FASHION ANARCHY

Mit fehlen gerade die Worte! Ich bin wirklich froh über meine Entscheidung. Hatte mich so dafür geschämt. Danke Eva! Hoffe du kommst bald mal wieder nach München <3

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Zhunami

Ich gratuliere dir, dass du es so weit geschafft hast und immernoch, wenn auch sicherlich mit Rückschlägen, gegen die Krankheit kämpfst. Lass‘ dich nicht unterkriegen!

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THE FASHION ANARCHY

Vielen lieben Dank für deine aufbauenden Worte!

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Sarah

Lieben Dank für deine ehrlichen Worte!
Ich finde es so wichtig das Thema Magerwahn anzusprechen!
Toll, dass du es so weit geschafft hast! Du bist spitze und wunderschön! 🙂
Liebe Grüße und einen schönen Wochenstart,
Sarah <3

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FAIRY TALE GONE REALISTIC

Hallo liebe Diana,
ich kann deine Gedanken sehr gut verstehen und nachvollziehen!
Es herrscht wirklich ein starker Perfektionsdruck in der Branche … leider =(
Freut mich sehr für dich, dass du es geschafft hast, etwas Abstand zum Magerwahn zu bekommen.
Viele Grüße und viel Glück und Erfolg für die Zukunft
Susanne

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Ruth

Liebe Diana. Hut ab, dass du das hier so öffentlich ansprichst, da gehört echt viel Mut dazu. Lass dich von der Modewelt nicht klein machen. Sei der Mensch, der du sein möchtest und esse vor allem das was du essen möchtest. Wir sind Bloggerinnen und keine Models. Das darfst du nie vergessen. Du hast in meinen Augen schon immer eine Top-Figur gehabt. Ich glaube ich kann mich sogar erinnern, dass ich bei dem ein oder anderen Bild von dir mal dachte: hoppla, war sie schon immer so dünn? Das ist ein Phänomen, dass man bei vielen aus der Branche mitverfolgen kann. Es ist auf jeden Fall schön, dass du deinen Weg daraus geschafft hast. Du siehst ganz toll aus und glaub mir ein paar mehr Kurven, schaden keiner Frau. Wir sind schließlich Frauen und keine Kinder und vor allem keine Models. Uns folgen ganz normale Frauen, die mit Sicherheit auch nicht die perfekte Figur haben und einfach nur froh sind, wenn sie echte Frauen sehen und keine Models.
Alles Gute für dich und deinen Weg.
Liebe Grüße
Ruth <3
http://ruthgarthe.com

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Janine

Liebe Dianna, vielen Dank für Deinen ehrlichen Post. Seit etwa 3 Jahren kämpfe ich mit diese Problem und solche Texte ermutigen, man ist nicht allein und es gibt Leute, die es geschafft haben. Danke. Danke. Danke.
Liebste Grüsse
Janine von https://www.vivarubia.ch/

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Lisa

Wow Diana,
was ein toller Beitrag und ich finde es wirklich bewundernswert das du diesen Beitrag geschrieben hast.
Ich wünsche Dir einen schönen Nachmittag.
Liebe Grüße Lisa <3
http://www.hellobeautifulstyle.blogspot.de

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nathalie

ein super beitrag!
hast du toll geschrieben
LG*

Nathalie von Fashion Passion Love ♥

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Marina

Da hast du ein sehr wichtiges Thema angesprochen. Ich finde das auch alles ziemlich extrem und denke dass man sich da echt nicht unter Druck setzen lassen sollte. Ich bin übrigens grad in Miami und finde dass es hier auch wirklich sehr krass ist was zb magerwahn und Fitness angeht. Ich finde du bist perfekt wie du bist:-)

http://www.marikamari.com

Lg
Marina

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Andrea

Ach ich konnte mir da auch schon so viel anhören… wirklich schrecklich.

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fashiontipp

Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich kann dich so gut verstehen. Ich habe auch vieles durchgemacht. Ich passe schon auf meine Ernährung und mache abundzu Sport, aber zum Glück, nicht so verrückt wie früher! Ich finde es so toll, dass du das Thema ansprichst.
Liebe Grüße,
Marina
http://fashiontipp.com

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